MPU wegen Fahrerablenkung durch moderne Informations- und Kommunikationsmittel
- MPU May
- 14. Feb. 2019
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 6. Aug. 2019
Neben Alkoholisierung, Drogen-/Medikamenteneinfluss sowie Müdigkeit stellt Ablenkung die vierte wohl bedeutsamste Unfallursache dar. Da in Deutschland Ablenkung als Unfallursache kein Bestandteil der Unfallstatistik ist, kann man sich nur auf internationale Studien beziehen, um Aufschlüsse über das Gefährdungspotential durch Ablenkung zu erhalten. Internationale Unfalldaten zeigen, dass der Anteil der Unfälle mit Getöteten, der durch Ablenkungseffekte zumindest mitverursacht wurde, knapp unter 10 % liegt.
Die Verwendung moderner Informations-, Kommunikations- und Unterhaltungstechniken (IKT) stellt bei den Ablenkungsfaktoren eine Hauptgefahrenquelle dar. So konnte in einer neuen Naturalistic Driving Studie gezeigt werden, dass die Ablenkung durch im Fahrzeug verbaute Geräte das Unfallrisiko um das 2,5-fache und durch Tätigkeiten im Zusammenhang mit dem Handy um das 3,6-fache ansteigen lässt. Das Wählen mit dem Handy in der Hand ist dabei mit dem höchsten Unfallrisiko verbunden. Dieses nimmt um das 12,2-fache zu. Aber selbst das Sprechen mit dem Handy in der Hand lässt das Unfallrisiko um das 2,2-fache ansteigen. Weiterhin konnte mittels videobasierter Fahrerbeobachtung gezeigt werden, dass Fahrer über die Hälfte der Fahrzeit durch unfallrisikosteigernde Distraktoren abgelenkt sind.
ubitzki und Fastenmeier berichten in der Zeitschrift für Verkehrspsychologie (Heft 2/2017, S. 27-33) über eine Studie zur Fahrerablenkung durch IKT im deutschsprachigen Raum. Die Stichprobe bestand aus insgesamt 1600 Befragten. Es konnte gezeigt werden, dass Ablenkung beim Autofahren von einer ganzen Reihe fahrerbezogener Merkmale abhängt, wobei insbesondere das Alter und die Fahrleistung eine bedeutsame Rolle spielen, wobei jüngere Kraftfahrer und Vielfahrer häufiger durch IKT-bezogene Distraktoren abgelenkt sind als ältere Kraftfahrer und Wenigfahrer. Berufsfahrer weisen allerdings nur wenige, wenn auch typische Auffälligkeiten auf. Interessant ist auch, dass der Besitz einer Freisprechvorrichtung die händische Nutzung eines Mobiltelefons nicht reduziert. Im Gegenteil, Besitzer einer Freisprechanlage nehmen das Handy häufiger in die Hand als Personen ohne eine solche Vorrichtung.
Vergleicht man die Befragten mit mindestens einem Unfall mit der unfallfreien Teilgruppe, so stellt sich heraus, dass praktisch alle Ablenkungsquellen durch IKT-Nutzung mit einem erhöhtem Unfallrisiko einhergehen, wobei sogar techniknutzende und telefonierende Mitfahrer das Unfallrisiko erhöhen können.
Fahrassistenzsysteme sollen in der Regel dazu beitragen, die Gefahren durch visuelle und manuelle Ablenkungen zu minimieren. Sie bergen allerdings die Gefahr, dass der Kreis von IKT-Nutzern noch erweitert wird bei unklarem Gewinn für die Ablenkungsminderung, denn händische Entlastung bedeutet noch nicht kognitive Entlastung. Techniklösungen, die eine Benutzung durch situative Funktionsunterdrückung gänzlich verhindern, sind leider heute noch deutlich in der Minderheit.
Studie des 12. Gemeinsamen Symposiums der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie (DGVP) und der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin (DGVM) von J. Kubitzki und W. Fastenmeier
Frage: Durch welche Maßnahmen lässt sich das Unfallrisiko durch Ablenkung reduzieren?

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